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#35 Segeln in Vanuatu/Yasur, Rom-Dance, Südsee und Kustom-Dörfer. Tanna, Efate, Erromango, Ambrym

127 Visningar· 05/10/26
syatanga4870
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Auszug aus unserem Blog über den Yasur. Mehr Berichte ab hier: https://atanga.de/?p=143499 Wir haben die Tour über Donavan gebucht. Er nimmt uns um 14:00 Uhr am Strand in Empfang und erzählt, dass seiner Dorfgemeinschaft die Ostflanke des Yasur gehört. Deshalb dürfen Mitglieder seines Dorfes und Gäste, wie wir, ohne den offiziellen Eintritt bezahlen zu müssen, den Yasur besteigen. Das sei gerichtlich ausgeklagt! Im vollen Vertrauen auf diese Worte folgen wir Jimmi und Skigit in den Wald. Die beiden sind gut gelaunt und überaus willig, unsere Fragen zu beantworten. Zwischendurch gibt es Trinknüsse und Zuckerrohr zum Naschen. Zunächst geht es steil bergauf. Nach einem Drittel wird die Strecke gemäßigter. Je näher wir dem Vulkan kommen, desto lauter wird das Grollen. Schaurig schön. Abrupt reißt der dichte Regenwald auf und wir stehen vor den Asche- und Basaltfeldern des Yasur. Der Untergrund ist stellenweise weich und es knirscht bei jedem Schritt. Heftige Böen jagen die Vulkanflanke runter. Wir stehen in den ersten Yasur-Wolken. Unangenehm. Die Luft ist dick. Schwer zu atmen. Ich krame Atemmasken aus dem Rucksack, die ich einem Tipp folgend, eingepackt habe. Ein Corona-Überbleibsel. Die Dinger helfen nicht wirklich. Während wir uns gegen den Wind über die Aschefelder stemmen, beginnt das große Husten. Die Luft ist reizend. Schuld ist Schwefeldioxid. Das Gas verbindet sich mit der Feuchtigkeit der Schleimhäute und bildet schweflige Säure. Diese Säure verätzt die oberste Zellschicht der Atemwege. Der Kehlkopf meldet ein Brennen und löst den Hustenreflex aus. Erleichterung bringt nur, wenn die giftige Wolke vom Wind kurzfristig zerfetzt wird. Nach fünfzehn Minuten erreichen wir den letzten steilen Aufstieg. Es ist kurz vor Sonnenuntergang. Ein halbes Dutzend Pick-ups kommt die Zufahrtsstraße hoch gefahren. Vielleicht 25 Menschen steigen aus. Eine grobe Treppe aus Beton und einem wackeligen Geländer führt zum Kraterrand. Den Kopf nach unten geneigt stemmen wir uns gegen Wind und Gaswolke. Am Kraterrand ist jeglicher Windschutz verschwunden. Erste Kappen fliegen von Köpfen. Vor uns gähnt ein Schlund. Einhundert Meter tief. Senkrechte Steilwand. Davor ein klappriges Holzgeländer. Bloß nicht dagegen lehnen. Das Atmen fällt schwer, trotzdem schauen wir vorsichtig in das Loch. Abrupt ist es windstill. Es grummelt. Es ist zu fühlen, da zieht sich was zusammen. Und dann explodiert der Yasur. Glühende Lava schießt siebzig, achtzig Meter hoch. Die riesige Explosion ist seltsam träge, fast majestätisch, wie ein gigantisches, lautloses Feuerwerk in Zeitlupe. Eine feine Vibration läuft durch die Fußsohlen. Erst Bruchteile von Sekunden später, folgt der ohrenbetäubende Knall. Ich bin so erschrocken, dass ich einen Satz rückwärts mache. Rechts und links neben mir höre ich erschrockene Schreie. Ich schreie auch. Was für ein Spektakel. Die Lava fällt in scheinbarer Zeitlupe (eine optische Täuschung) wieder in ihren brodelnden Topf zurück. Im selben Moment bricht der Sturm los. In Seglersprache: 50 Knoten – Orkanböen. Als ob jemand eine Windmaschine eingeschaltet hat. Zum Glück drückt der Wind uns vom Schlund weg. Mit dem Wind kommen Asche und die verflixten Basaltkügelchen. Es ist schlimmer als Sandstrahlen. Nicht auszuhalten im Gesicht, in den Augen. Dazu die Husterei. Alle wenden sich ab, halten sich Augen und Ohren zu. Nach vielleicht dreißig Sekunden lässt der Sturm nach, ebbt auf ein laues Lüftchen runter. Man kann einen erneuten Blick in die Hölle wagen. Alle drei, vier Minuten erfolgt eine Eruption. Wenn dieser grausame Wind nicht wäre, ich könnte stundenlang dieses Schauspiel beobachten. In der lokalen Mythologie ist der Yasur kein Berg, sondern eine mächtige, lebendige Persönlichkeit – oft wird er als ein gütiger, aber leicht reizbarer alter Mann oder Geist angesehen. Das erscheint mir zutreffend. Nach ein paar Explosionen können wir es nicht länger aushalten. Ein geregelter Rückzug erfolgt. Am Fuß der Treppe werden wir erneut vom Quittungs-Mann aufgehalten. Betreten schauen wir uns an. Achim argumentiert wie zuvor. Wir dürfen gehen. Inzwischen ist es dunkel. Vor uns liegen zwei Stunden Dschungel-Tour. Dank sechs Taschenlampen geht das besser als erwartet. Dass unserem Guide die Taschenlampe auf halber Strecke versagt, fällt nicht auf. Ist aber kein Zeichen von Sorgfalt. Dafür kennt er den Weg zurück. Wir hätten uns wahrscheinlich verlaufen.

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