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Marea del Portillo ist ein kleines Fischerdorf im Südosten Kubas. Die Bewohner sind vom Schicksal geprüft. Vor zwei Jahren zerstörte ein Erdbeben einige der Häuser, vergangenes Jahr fegte Hurrikan Melissa über den Ort, riß Dächer ab und flutete die Straßen. Eine Mückenplage übertrug Krankheiten wie das Dengue-Fieber und Chikungunya. Einige Bewohner starben mangels Medikamenten. Die Regierung versprach Hilfe, aber sie kam nie an. In der gegenwärtigen Krise ist der Ort vom Rest des Landes abgehängt. Die Stromausfälle dauern bisweilen mehrere Tage, es fährt kein Bus mehr in die nächste Stadt, Lebensmittellieferungen kommen nicht an. Die Bewohner sind auf sich allein gestellt. Stoisch warten sie auf Veränderung.
Wir laufen leer! Seit vier Monaten sind wir auf Kuba und langsam geht unser Dieselvorrat zur Neige. Dabei haben wir noch einige hundert Seemeilen bis in die Dominikanische Republik vor un, wo wir den Rest der Hurrikansaison verbringen wollen. Gegen den Wind, Welle und Strömung. Ohne Diesel ein kleines Himmelfahrtskommando. Also bleibt uns nur eine Möglichkeit: Wir müssen einen Abstecher nach Jamaika wagen - hin und zurück sind das etwa 270 Seemeilen. Einchecken können wir dort nicht, denn auf Kuba müssten wir dazu erstmal auschecken. Aber der nächste Port-of-Entry liegt ganz im Osten der Insel.
Der Weg entlang der Südküste Kubas bleibt schwierig. Gewitter, Flauten und Stürme wechseln sich ab. Die Hurrikansaison, die offiziell am 1. Juni begonnen hat, schickt ihre Vorboten - gleichzeitig schrumpft unser Dieselvorrat. Aber geteiltes Leid ist halbes Leid und so sind wir froh, mit Robin und Justine ein Buddy-Boot an unserer Seite zu haben. Hier, abseits in den Cayos, zwischen hunderten unbewohnten Inseln, fern vom Festland haben wir seit Tagen keine andere Menschenseele mehr gesehen. Nicht einmal Fischer. Auch sie haben keinen Sprit mehr, um ihrem Lebensunterhalt nachzugehen. Bei einem Notfall, einem Blitzeinschlag wären wir hier ganz auf uns gestellt. Doch seit wir wissen, dass wir einen inoffiziellen Tankstopp auf Jamaika einlegen können, sind wir guten Mutes. Doch dann bildet sich ein Tornado über dem Wasser - und zieht auf uns zu.
Die Dilly-Dally - zu deutsch: trödeln - macht ihrem Namen wieder mal alle Ehre. Viel zu lange sind wir in Cienfuegos geblieben und hadern nun mit dem Weg in die Dominikanische Republik. Immer wieder haben wir die geplante Abfahrt verschoben. Mal wegen des Wetters, mal weil wir auf Freunde gewartet haben. Und auch wegen unserer kleinen Hilfsaktion. Die Hurrikansaison beginnt offiziell in ein paar Tagen und die Luft ist bereits voller Energie. Jeden Tag blieben sich heftige Gewitter über Kuba. Und wir müssen da irgendwie durch - gegen den Wind, die Strömung und die Welle. Motorsegeln können wir nur für wenige Tage, nicht aber für 700 Seemeilen. Ein Plan B muss her.
Mittlerweile sind wir bereits über ein Vierteljahr auf Kuba und langsam müssen wir weiter. Die Hurrikansaison beginnt offiziell Anfang Juni, und bis in die Dominikanische Republik sind es noch knapp 700 Seemeilen - gegen den vorherrschenden Wind und die Strömung. Eigentlich wollten wir den Weg zusammen mit unserem Buddy-Boot, der Intle Breeze, bestreiten, doch die Pläne haben sich zerschlagen. Wegen Schäden nach einem Blitzeinschlag und privater Umstände müssen Eric und Tracy nach Panama segeln. Es ist ein tränenreicher Abschied nach einem Jahr. Wir gehen noch einmal zu unserer Routine in Cienfuegos über, verteilen weiter Essen, schauen aber täglich nach einem halbwegs akzeptablen Wetterfenster, das uns die Weiterreise ermöglicht. Links zum Beitrag: Über Buddy-Boote https://floatmagazin.de/leute/buddy-boote-eine-besondere-beziehung/ Zur Spendenaktion: https://www.dilly-dally.online/post/update-zu-unserer-spendenaktion-auf-kuba
Seit knapp drei Monaten sind wir bereits auf Kuba. Es eine interessante und spannende Zeit und bisweilen ist es auch herausfordernd. In den vergangenen Wochen haben wir vielen Kubanern eine kleine Freude bereiten können, vor allem Dank der vielen Spenden. Dafür können wir uns gar nicht oft genug bedanken. Nebenher geht der Alltag natürlich weiter. Und das heißt nicht nur das Land zu bereisen, die Tage und Abende zu genießen, sondern auch immer wieder das Boot zu reparieren. Nicht nur uns geht das so, auch unser Buddy-Boot, das mittlerweile von den Cayman Islands zurückgekehrt ist, kämpft mit den Tücken des Bordlebens. Und leider werden sich unsere Wege deswegen bald trennen.
Die beiden vergangenen Videos, in denen wir einige Lebensmittel an Not leidende Nachbarn unserer Freundin Yordana verteilt haben, haben eine Flut an Spenden ausgelöst. DAFÜR VIELEN DANK! Wir haben über eine Woche benötigt, Lebensmittel und Hygieneartikel für die nächste Verteilung zu organisieren. Von den Schwierigkeiten berichten wir in diesem Video. Aber es hat sich gelohnt. Wir konnten bereits um die 60 Menschen glücklich machen. Und es geht weiter.
In Cienfuegos haben wir Yordana wiedergetroffen, eine Kubanerin, mit der uns bereits seit einigen Jahren eine tiefe Freundschaft verbindet. Sie ist in ihrem Viertel so etwas wie die gute Seele und kümmert sich um die Alten und Kranken. Um die Not etwas zu lindern, haben wir zwei Zentner Reis und Bohnen gekauft und das Essen in der Nachbarschaft verteilt. Es ist bedrückend zu sehen, unter welchen Umständen viele Kubaner derzeit leben, und herzzerreißend, wie sie sich über etwas zu essen freuen. Da wir bereits mehrere Anfragen hatten, wollen wir die Aktion wiederholen. Wer sich beteiligen möchte, findet weitere Informationen auf unserer Webseite oder kann uns direkt anschreiben unter jens.brambusch@gmail.com. https://www.dilly-dally.online/post/kleine-hilfsaktion-für-kuba
Eher als geplant brechen wir in Cayo Largo auf, um nach Cienfuegos zu segeln. Aber die Fahrt gegen Wind und Welle ist zäh und so machen wir einen ungeplanten Stopp vor einer kleinen Insel mit einem Leuchtturm. Die beiden Wärter laden uns zu einem Rundgang ein. Sie sitzen hier seit 50 Tagen fest. In Cienfuegos scheint auf den ersten Blick alles beim Alten, doch abseits des Hafenviertels wird die Not sichtbar. Viele Kubaner können sich das Essen nicht mehr leisten. Wir verbringen viel Zeit mit Jordana und ihrer Familie, die wir vor zwei Jahren kennengelernt haben. Jordana kümmert sich um die Alten und Kranken in ihrer Nachbarschaft - und da wollen auch wir ein bisschen helfen.
Cayo Largo, eine Insel im Süden Kubas, ist eines unserer Highlights. Im vergangenen Jahr blieben wir 14 Tage. In diesem Jahr aber ist alles anders. Die Urlaubsinsel gleicht einer Geisterstadt, seit die letzten Touristen Anfang Februar abgereist sind. Von den 2000 kubanischen Mitarbeitern kümmern sich noch 100 um die Instandhaltung. Doch statt wie üblich drei Wochen sind sie bereits seit drei Monaten auf der Insel. Wegen des Ölembargos fahre keine Fähren, landen keine Flugzeuge mehr. Ohne Touristen ist Kuba nicht überlebensfähig. Knapp eine Million Menschen arbeiten direkt oder indirekt in diesem Sektor. Fast alle haben derzeit keine Einkünfte.
Nach dem knapp 400 Seemeilen langen Törn von Havanna gönnen wir uns erstmal eine kleine Rast auf unserer Tour entlang der Südküste Kubas. Die Bucht Punta Frances im Südwesten der Isla de la Juventud, der Insel der Jugend, ist ein Paradies. Menschenleer, ein langer weißer Sandstrand, noch dazu ohne Müll, kristallklares Wasser, aus dem die Fische fast an Bord springen. Die einzigen Menschen, die wir sehen, sind Fischer. Wir leben ein bisschen wie Robinson Crusoe, schnorcheln, schwimmen und grillen Fisch am Strand. Doch als wir eines Abends am Strand zurück zu den Booten fahren, trauen wir unseren Augen nicht. Zwei Männer sind an Bord unseres Buddy-Bootes, in schwarzen Neopren-Anzügen und mit Harpunen...
Nach vier Wochen in Havanna setzen wir wieder die Segel. Einige hundert Seemeilen entlang der fast menschenleeren Westküste bis in den Süden liegen vor. Anders als noch vor vier Wochen sehen wir kaum noch Fischerboote. Auch den Fischern ist wegen des Ölembargos der Diesel ausgegangen. Bei einem Stopp in Los Morros schauen wir, ob die vergessene Crew des Grenzpostens endlich abgeholt wurde. Als wir nach knapp 400 Seemeilen die Isla de la Juventud, die Insel der Jugend, an der Südseite Kubas erreichten, sind wir erschöpft. Auch wenn wir den größten Teil der Strecke herrlich Segeln konnten, hatten es die letzten Meilen in sich.
Wir sind bereits seit über drei Wochen in. der Marina Hemingway, als es zappenduster wird. Blackout in Kuba. Diesmal landesweit. Sind die Treibstoffräte auf der Insel gänzlich aufgebraucht? Das nicht, der Strom kommt nach einem halben Tag zurück, aber wir fragen uns, was die ständigen Stromausfälle mit der Bevölkerung der Karibikinsel machen. Die USA steigern den Druck, Falschmeldungen, die die Kubaner beunruhigen sollen, kursieren, Proteste entfachen. Noch einmal verbringen wir eine Nacht im Stadtzentrum und treffen auf eine desillusionierte Jugend.
Havanna ist eine faszinierende Stadt, anders als der Rest der Landes. Havanna ist groß, laut und lebensfroh. So war es zumindest bei unseren letzten Besuchen. Havanna ist eine Stadt mit Geschichte und sie schreibt täglich neue. Doch wie ist es jetzt während der sich zuspitzenden Krise als Tourist in Kubas Hauptstadt zu sein? Und gibt es noch eine Möglichkeit, Diesel für das Boot zu bekommen?
Wir haben die Marina Hemingway in Havanna erreicht und auf den ersten Blick scheint sich kaum etwas seit unserem letzten Besuch verändert zu haben. Es gibt Strom und Wasser rund um die Uhr, die Restaurants haben geöffnet. Doch nur wenige Meter außerhalb der Marina sieht die kubanische Realität bereits ganz anders aus. Wegen der Ölblockade der Amerikaner gibt es kaum noch Sprit auf der Insel. Es fahren kaum noch Autos, die allermeisten Touristen haben die Insel verlassen, Müll liegt in den Straßen und die täglichen Blackouts dauern immer länger. Die Uno warnt vor einer humanitären Katastrophe.
Weil der Grenzposten am westlichen Ende Kubas geschlossen hat, müssen wir nach Havanna, um endlich einchecken zu können. In Tagesetappen zwischen 30 und 40 Seemeilen arbeiten wir uns die Westküste hinauf, ankern vor traumhaften Stränden und in abgelegenen Buchten. Auf der Insel Levisa hoffen wir, etwas Abwechslung zu finden, doch auch dort - wie an vielen Orten auf Kuba - hat das Hotel kürzlich seine Pforten geschlossen: eine Folge des Öl-Embargos. Die verwaiste Anlage wirkt wie eine Geisterstadt. Und dann, als wir endlich die Marina Hemingway im Westen Havannas erreichen, meldet sich niemand an der Funke.
Nach unserem Zwischenstopp in Punta Allen (Mexiko) setzen wie die Reise nach Kuba wieder fort. Das verlustige Impellerteilchen haben wir gefunden, der Jockel läuft wieder. Und das ist auch gut so. Denn auf den 200 Seemeilen zum westlichsten Punkt Kubas liegen zwischen Windwinkel, Windstärke und Vorhersage einige Grad und Knoten Unterschied. Und der Golfstrom verwandelt das eigentliche ruhige Meer in ein Tollhaus. Angekommen in Kuba empfängt uns gleich die neue Realität. Seit dem verhängten Ölstopp durch der US-Regierung steht das Land still. Selbst die Zöllner kommen nicht an ihren Grenzposten.
Wir haben die Bucht in Mexiko erreicht. Auch ohne Maschine. Allerdings brauchten wir auf der letzten Meile Hilfe von unserem Buddy-Boot "Intle Breeze". Die Ursache für das Überhitzen des Motors ist schnell gefunden. Der Impeller hat wie ein Baum im Herbst seine Blätter abgeworfen. Doch eines lässt sich partout nicht finden. Es steckt irgendwo im Kühlsystem - und kann weitere Probleme verursachen. Während wir an der Dilly-Dally werkeln, spitzt sich die Lage auf Kuba, unserem nächsten Ziel, immer wieder zu. Wegen der Öl-Knappheit setzen die ersten Airlines ihre Flüge aus. Sie können nicht mehr betankt werden. Schlecht für Fran und James, die Crew der Intle Breeze, die von Kuba nach Panama müssen. Und auch Tracy, die gerade in Südafrika weilt, muss befürchten, dass ihr bereits gebuchter Flug nach Havanna gecancelt wird. Muss sie in ihrem Hotel in Südafrika bleiben? Hier ist der Link zum Intle Boutique Hotel: https://intle.co.za Wer bei der Buchung über stay@intle.co.za den Code "DILLY" angibt, der bekommt einen Freundschaftsrabatt. Und hier noch der Affiliate-Link zu der Endoskop-Kamera. https://amzn.to/4aHQSKU Hinweis: Eine Bestellung über diesen Link ermöglicht uns eine kleine Provision. Jeff Bezos sackt also nicht die ganze Kohle ein :)
Die Fahrt von Honduras nach Mexiko zerrt an Arzums Nerven. Erst ist sie seekrank, dann überhitzt der Motor und das bisschen Wind, das weht, drückt uns auf die Nase. Wir machen kaum noch Fahrt durchs Wasser, haben so gut wie kein Ruder, legen einmal eine ungewollte 360-Grad-Drehung hin. Und unser anvisierter Ankerplatz liegt hinter einem Riff. Irgendwie müssen wir da durch.
Wind und Wetter lassen eine Weiterfahrt nach Kuba derzeit nicht zu. Mit dem geplanten Abstecher über die Cayman Islands liegen etwa 450 Seemeilen vor uns. Doch eine Schlechtwetterfront mit Böen um die 40 Knoten und meterhohen Wellen im Karibischen Meer jagt die nächste. Also warten wir ab. Und es gibt wirklich schlechtere Orte als die Bay Islands vor Honduras. Außerdem haben wir so Zeit, ein paar weitere Jobs zu erledigen. Arzum packt die Nähmaschine aus und wir wechseln nach vier Jahren zum ersten Mal die Membran am Wassermacher. Vor allem aber genießen wir die sonnigen Tage zwischen all dem Regen.
